Villa Ecologica

Dienstag, 8. November 2011

Ich dachte, ich hab die Armut schon gesehen...

Heute hat mich Padre Pepe mitgenommen nach Villa Ecologica, das Armenviertel. Da ich dort meistens am Sonntag mit in der Messe bin, habe ich mich schon ein bisschen an die "Häuser" gewöhnt. Sie sind alle miniklein, zusammengemauert, nicht verputzt und nicht alle haben ein richtiges Dach. Doch heute sind wir noch ein Stück weiter gefahren. Weiter weg von der Kirche und der Cuna. Hier hatte kein Haus mehr Wasser und auch kaum einer Strom, die Häuser waren teils kleiner als unser Baumhaus und die Dächer nur aus Wellblech, beschwert mit Steinen, sodass der Wind das Haus nicht abdeckt. Es ist schrecklich! Nachts wird es hier sehr kalt und diese Hütten kann man fast nicht heizen bzw, die meisten haben weder Ofen noch Heizmöglichkeit. Schon um halb 6 Uhr abends war mir in meinem Pulli leicht kalt. Wir fuhren dann zu einem Comedor, einer Kinderspeisung. Dort in einem Zimmer von vielleicht 5 auf 3 Meter (ich bin schlecht im schätzen, aber es war mini!) war ein kleiner Ofen  ein Tisch und Bänke untergebracht. Hier erwarteten uns viele Kinder und Hunde (wie überall im Elendsviertel frei auf der Straße) und ein paar Mamas. Nachdem wir aus unserem alten VW-Bus Essen ausgeladen haben, haben wir eine Familie besucht, von der wir wussten, dass sie sehr arm ist, die aber nicht gekommen war.
Es stellte sich heraus, dass die Frau absolut schüchtern, wenn nicht sogar ängstlich war und sich nicht traute zu kommen! Als wir sie besucht haben, kamen mir wirklich die Tränen. Ich habe noch NIE solche Armut gesehen!!!!!!!!!!!!! Diese Familie lebt auf allerkleinsten Raum, in ihrer Hütte steht ein bettähnliches Gestell, auf ihm liegen sämtliche Habseligkeiten. Es war sehr dreckig, vor allem aber auch, weil hier alles staubig und erdig ist. Auf dem Boden stand eine Schachtel mit ziemlich braunen Bananen, wahrscheins das Essen für die nächsten Tage. Die Frau hatte, soweit ich sehen konnte, 3 Kinder. Ihr Mann verkauft Eis und war zur Zeit nicht da, aber er verdient praktisch nichts.  Der ältere Sohn rannte aber davon, als er uns sah. Padre Pepe hat mir gesagt, dass die Ärmsten nicht bitten, sie schämen sich, so arm zu sein. Am schlimmsten fand ich es aber, die anderen Kinder zu sehen. Der kleine Sohn, ich schätze ihn auf 2-3 Jahre, hatte eine dreckige, sehr gebrauchte Hose an, ein dreckiges, kleinen Gesicht mit Flecken von der Kälte an den Wangen und sehr roten Augen. Ich bin mir sicher, das mit ihnen irgendetwas nicht stimmt. Wir haben die Frau dann mehrmals aufgefordert, mit uns zu kommen, damit sie eine (warme) Mahlzeit bekommen. Schließlich sind wir alle zum Comedor und dort gab es Arroz con Leche (= Milchreis) mit einer Semmel. Ich hab auch ein wenig probiert! Sehr süß aber lecker!
Als es dann langsam dunkel wurde (um 6 Uhr ist es Nacht) haben wir uns verabschiedet und sind zu einem weiteren Comedor gefahren. Mit einigen Problemen, da die Straßen recht schlecht sind, es ja immer hoch und runter geht und unser alter VW-Bus manchmal ganz schön am Berg drangehängt ist!
Dieser Raum war etwas größer, es waren aber auch mehr Kinder da. Jeden Tag bekommen hier 70 Kinder ein warmes Essen. Zufällig auch hier heute Arroz und Leche.
Ich hab heute gemerkt, wie kleinlich meine Sorgen eigentlich sind. Wie gut es mir geht! Ja in welchem Luxus ich lebe! Unser Baumhaus kommt mir teilweise fast besser vor als diese Hütten.
Wenn ich überlege, dass ich das letze Mal bei Starbucks einen Cafe getrunken habe(umgerechnet für ca 2 Euro für Peru aber teuer), von dem Geld, von dem eine solche Familie einige Tage etwas zu essen hat.
Ich möchte helfen!
Wenn jemand von euch auch helfen möchte bitte gebt mir Bescheid!! Ich werde mit Padre Pepe über Möglichkeiten sprechen und dann darüber berichten. Denn hier kann man mit für uns so wenig Geld schon so viel tun!!

2 Kommentare:

  1. Liebe Maria,

    Ferdinand hat uns heute Deine blogspot-Adresse geschickt und ich musste natürlich sofort reinschauen. Was ich dort von dir gelesen hab´ hat mich echt fasziniert. "Hut ab", wie du mit all dem Neuen umgehst! Ich wünsche Dir, dass du weiterhin mit soviel Begeisterung schreiben kannst und voll Freude Deine neuen Erfahrungen genießen kannst.
    Ich werde auf jeden Fall immer wieder mal bei Dir "reinschauen"

    Liebe Grüße
    Gabi Kastner

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  2. Vielen lieben Dank ;)
    Schön von euch zu hören!!
    Liebe Grüße an alle vom anderen Ende der Welt!
    Maria :)

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